5 Jan.
Koblenzer Seilbahn für Pendlerverkehr nutzen?
Posted in Interviews/Gespräche JoHo by joho Keine KommentareKoblenzer Seilbahn für Pendlerverkehr nutzen?
Wegen zahlreicher Anfragen, u.a. im Gästebuch der Info-Plattform www.hofmann-goettig.de, hat OB Hofmann-Göttig die Frage, wie man die Seilbahn in den Öffentlichen Personennahverkehr einbeziehen kann, prüfen lassen.
Auszug:
” Grundsätzlich ist es ein Anliegen der Stadt Koblenz, dass alle Personenbeförderungssysteme mit einem einzigen Ticket benutzt werden können.
Seit exakt 10 Jahren gibt es daher den Gemeinschaftstarif im hiesigen Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM), ein erfreuliches Jubiläum. VRM-Karten werden ab März 2012 nicht nur in den Bussen und Regionalzügen, sondern auch im Schrägaufzug Ehrenbreitstein sowie bei den Fähren Ehrenbreitstein und Lay und eventuell auch Lützel gelten.
Die Anbindung der Festung Ehrenbreitstein und des Festungsparks durch den ÖPNV wird übrigens durch den Schrägaufzug erfolgen, der ab Mitte März 2012 auch mit Rheinland-Pfalz-Ticket, DB-City-Ticket und BahnCard 100 “kostenlos” benutzbar sein wird.
An der Bushaltestelle bei der Talstation des Schrägaufzugs werden dann auch die Regionalbusse von und nach Montabaur halten.
Die Integration der Kabinenseilbahn über den Rhein in den ÖPNV wird von der Stadtverwaltung schon lange erwogen, ist aber nicht einfach umsetzbar.
Das diesjährige Betriebskonzept wurde zwischen der Verwaltung der Festung Ehrenbreitstein (Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz / GDKE) und der Doppelmayr-Tochter “Skyglide Event Deutschland” festgelegt. Beide Partner wollten damit die Einheit von Festung und Seilbahn stärken, was sich darin zeigt, dass es günstige Kombitarife gibt. Der von diesen beiden Partnern vereinbarte späte Betriebsbeginn der Seilbahn hat zwei Hintergründe:
Erstens ist der Seilbahnbetrieb aufwändig. Aus Gründen der Kostendeckung sind z.Z. die Betriebszeiten zunächst einmal begrenzt auf 10 bis mindestens 17 Uhr.
Zweitens sollen Festungsbesucher/-innen, die mit dem Auto vorfahren, eingangsnahe Parkmöglichkeiten vorfinden. Für sie ist der Festungsparkplatz, auf dem die BUGA-Hallen standen, vorgesehen; dessen Benutzung wird gemäß GDKE-Konzeption Parkgebühren kosten.
Für den Berufsverkehr stehen folglich keine kostenfreien Parkmöglichkeiten in direkter Seilbahn-Nähe zur Verfügung. Der ursprünglich unmittelbar an der Seilbahn geplante Parkplatz (an der Hangkante zum Rheintal) soll bis auf weiteres nicht in Betrieb gehen, weil dies die Gestaltung und die Naherholungsqualität des Festungsparks beeinträchtigen würde. Zur nächstgelegenen, als Parkplatz geeigneten Fläche, dem Technischen Bereich West der Fritsch-Kaserne, beträgt die Entfernung ab der Seilbahnstation ca. 1,1 km. Eine solche Fußweglänge wird kein/e Pendler/-in zweimal täglich akzeptieren.
Sollte eines Tages die Kompostieranlage als Parkplatz nutzbar sein, bliebe immerhin noch ein Weg von ca. 850 m pro Richtung zu bewältigen. Optimal wäre der Transfer per Fahrrad, zumindest bei akzeptablem Wetter. Die Strecke ist eben und schön. Es könnten eigene Fahrräder, die auch in der Seilbahn mitnehmbar sind, oder eventuell bereitgestellte Leihfahrräder verwendet werden. Die Einrichtung eines Shuttlebusses hingegen ist finanziell nicht darstellbar. Um die Seilbahn für Pendler/-innen nutzbar zu machen, sind nach Auffassung der Verwaltung einige Bedingungen zu erfüllen, z.B.:
- 1. Die Seilbahn muss auch über 2013 hinaus verbleiben – also zulässig und wirtschaftlich sein (was bekanntlich in den nächsten Monaten geprüft wird)
- 2. Sie muss schon ab ca. 6 Uhr und sollte werktags “ganzjährig” bis mindestens 19 Uhr verkehren.
- 3. Das setzt eine große Nachfrage durch Pendler/-innen voraus.
- 4. Es muss einen zusätzlichen Parkplatz geben, was Kosten verursacht (z.B. Pacht, Unterhaltung).
- 5. Vielleicht müssen die Nutzer/-innen an diesen Kosten beteiligt werden.
- 6. Die recht lange Transferstrecke muss bewältigt werden, vorzugsweise per Fahrrad. Als Alternative bleibt Pendlern und Pendlerinnen grundsätzlich im Einzelfall auch die Möglichkeit, die hohen Parkgebühren auf dem Festungsparkplatz zu zahlen, um dann nur 150 m Fußweg zurückzulegen.
Gewiss wäre die Einbeziehung von Pendler/innen eine Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der Seilbahn zu erhöhen und ggf. dauerhaft zu sichern. Darüber hinaus könnte die Innenstadt von fahrenden und parkenden Kfz entlastet werden, sowohl im Berufs- als auch im Fremdenverkehr.
Aus städtischer Sicht ist es wünschenswert, die Seilbahnnutzung durch Pendler/innen zu fördern. Das gilt auch für Tourist/innen, die einen Innenstadtbesuch ohne Festungsbesuch vorhaben und “oben” parken wollen. Allerdings müssen die Interessen aller Beteiligter, nicht zuletzt der GDKE, gewahrt bleiben.
Vielleicht gelingt es in den bevorstehenden gemeinsamen Abstimmungen, eine pendlerfreundliche Testphase mit frühmorgendlichem Betriebsbeginn einzuleiten oder aber die Nachfrage durch einen probeweisen Vorverkauf von Sondertickets mit frühmorgendlicher Geltung auszuloten.
Mit freundlichen Grüßen, Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister “
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